5 Gute Gründe für Rom im Herbst

Es gibt viele gute Gründe nach Rom zu reisen. Warum jetzt im Herbst der richtige Zeitpunkt für einen Städtetrip – besonders mit Kindern ist -, verraten wir euch hier:

Die Temperaturen werden in den meisten Teilen Deutschlands, Österreichs und auch in der Schweiz immer kühler. In Rom dagegen, kehrt der goldene Herbst mit seinen milden 22° ein. Die ganze Stadt erstrahlt in unbeschreiblicher Schönheit des goldenen Lichts der Herbstsonne und bietet sich damit als ein optimales Reiseziel.

 1. Spätsommerliches Klima 

Im Sommer erreichen die Temperaturen oft an die 40° und es ist eine Tortour  sich mit den Menschenmassen durch die Stadt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu bewegen. Im Oktober wird alles entspannter: Man schlendert ohne große Anstrengung durch die Stadt, gönnt sich an der Ecke ein leckeres Gelato  und geniesst sein Aperitivo in einem der zahlreichen Restaurants die romantisch, ihre Tische draussen in den kleinen Gassen stehen haben.

 2. Das Goldene Oktober Licht

Die warmen Farben taucht jeden Punkt der Stadt in eine besondere Atmosphäre. Das sanfte Licht verlockt nahezu an jeder Ecke fotografieren zu wollen. Besonders kann man an den Aussichtshügeln den Sonnenschein genießen und die besten Bilder machen.

3. Entspanntes Reisen

Die Römer selbst sind nach einem Sommer auswärts der Stadt entspannter. Innerhalb und außerhalb werden viele Feste  gefeiert -die so genannten „Sagre“- die die ausgezeichnete italienische Küche hochleben lassen. Festivals, Kultur-Events und Weinlesen laden zum Verweilen und geniessen ein.

An den Top Sehenswürdigkeiten bilden sich keine langen Warteschlangen und man kann ausgelassen auf Entdeckungstouren gehen und geheime und versteckte Ecken der ewigen Stadt erkunden.

4. Vatikan bei Nacht

Der Oktober ist der letzte Monat indem die vatikanische Museen ihr Türen für die nächtliche Besichtigung öffnen. Diese magische Atmosphäre in den Gänge der Museen zu erleben ist unvergesslich.

5.Familienzeit

Die Herbstferien eignen sich optimal für einen Familienurlaub, um die Restwärme des mediterranen Sommers auszukosten. Ob für ein verlängertes Wochenende oder als eine  ausgedehnte Städtereise mit antiker Geschichte und seiner Nähe zum Meer, ist Rom ein optimales Reiseziel für eine aktive Ferienreise im Herbst.

Gemeinsam mit kleinen und grossen Kindern erkunden Eltern spannende, unbekannte und außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten vergangener Zeit, wie das Kolosseum, Pantheon oder die Vatikanischen Museen. Rom ist wie ein grosses Freilicht Museum und mit Hilfe der Deutschen Römerin, wird die Stadt auf familienfreundlichen Führungen wunderbar mit Kindern entdeckt.

Unsere Stadtführer im vollen Einsatz

Rom für Kinofreunde

Rom ist eine Stadt für Kinofreunde

Ich schalte den Fernseher aus. Gerade habe ich eine nette, kleine, wenn auch etwas seichte Komödie auf Netflix angeschaut (Croce e Delizia, 2019). Das Besondere daran waren einige kurze Szenen aus Rom. Auch wenn der Hauptstrang der Geschichte in Gaeta, einem Badeort am Meer zwischen Rom und Neapel, gedreht wurde. Als Film- und Kinofreund bin ich immer wieder begeistert, wenn ich Szenen aus der Stadt, in der ich lebe, auf der großen Leinwand sehe. Das bringt mir die Geschichten und Schicksale dieser meist fiktiven Personen deutlich näher. Und es regt auch oft einen Spaziergang an. Eben genau in den Straßen und auf den Plätzen, die ich auf der Leinwand gesehen habe.

Rom für Kinofreunde – Popkultur bereisen

Und dabei bin ich nicht der Einzige. Seit langem werden auch in Rom Stadtführungen angeboten, die ein Phänomen der Popkultur als zentrales Thema haben, wie zum Beispiel eine „Dan Brown Tour“. Die Teilnehmer möchten die Orte besuchen, an denen Robert Langdon seine Abenteuer erlebte. Sie möchten erfahren was Fakt ist und was Fiktion ist. Andere, Fans von alten Sandalenfilmen, besuchen den Circus Maximus. Und wieder andere möchten wie Joseph Gordon-Lewitt im Film „Looper“ durch das Untergeschoss des Kolosseums springen, oder wie James Bond im Luxusauto durch Rom fahren. Und wir vom Team der Deutschen Römerin amüsieren uns prächtig, uns mit dem Nachfilmen von berühmten Filmszenen die Pandemie-Langeweile zu vertreiben. Die Popkultur ist ein beliebtes Medium, um die Distanz zwischen der Stadt Rom und dem Alltag der Besucher zu überbrücken, und sie somit dem Besucher auf einer sentimentalen Ebene näherzubringen. Und unsere Stadt bietet dazu zahlreiche Gelegenheiten.

Stills aus unserem Hollywood in Rom Video

Rom für Kinofreunde – Hollywood in Rom.

Ein echter Cineast weiß, was Italien und die Italiener zur Filmgeschichte der Nachkriegszeit beigetragen haben. Paolo Pasolini und Federico Fellini. Sergio Leone und Franco Nero. Sophia Loren, Anna Magnani, Alberto Sordi und Roberto Benigni. Bud Spencer und Terence Hill. Das sind nur einige wenige Namen, die aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken sind, ohne die sie lückenhaft wäre. Die Studios von „Cinecitta“, die Mussolini in den dreißiger Jahren in Rom bauen ließ, um Filmproduktionen als Medium für politische Propaganda zu nutzen, sind heute weltbekannt. Im Laufe der Jahre sind dort über 3000 Filme produziert worden.  47 davon sind Oscar Gewinner. „Ben Hur“ gewann beispielsweise 11 Oscars bei 12 Nominierungen.

Wir verbinden Cinecitta vor allem mit den alten Sandalenfilmen aus den 60ger Jahren, wie „Quo Vadis“ und „Cleopatra“. Dabei vergessen wir häufig, dass in „Hollywood am Tiber“ auch in den vergangenen Jahren große Filmerfolge entstanden sind, wie „Gangs of New York“, „Der Englische Patient“ oder Terry Gilliams Münchhausen. Aufgrund der gegenwärtigen Situation sind die Studios nicht besuchbar, doch bald werden sie sicher wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen und es wird wieder möglich sein einige der Hallen, in denen diese Meisterwerke entstanden sind zu besuchen.

Rom für Kinofreunde – Umbaupläne und geplante Investitionen

Im Entwurf zur Verwendung der Mittel des EU Recovery Funds ist eine Investition von 300 Millionen Euro zur Renovierung und Erweiterung der Studios vorgesehen. Ein guter Plan. Die Film- und Fernsehindustrie ist eine Wachstumsbranche, besonders seid dem immer mehr Streaming Portale für den ständigen Kampf um neue Abonnenten selbst Inhalte produzieren. Italiens Regierung zeigt da Weitsicht. Besonders in Rom begegnen wir auf unseren Spaziergängen und Fahrradtouren immer wieder den weißen LKWs der Filmbranche.

Künstlergarderobe und Bühnenmeisterei on the Road

Rom ist eine beliebte Kulisse für Filme und Serien. Als Schauplatz der Fernsehserien für den italienischen Markt, hier „Fictions“ genannt, und auch für zahlreiche internationale Produktionen ist unsere Stadt häufig auf dem Bildschirm und der Leinwand zu sehen. Synchronisationsstudios, Filmhochschulen, Zulieferer, alles ist vorhanden, Rom verfügt schon über die notwendige Infrastruktur und qualifiziertes Personal. Mit den Investitionen des sogenannten „Corona Fundes“ hat Rom eine Chance sich bald zum Herzstück der europäischen Filmindustrie zu entwickeln.

Rom für Kinofreunde – Fazit

Als Kinofreund schaue ich dieser Entwicklung hoffnungsvoll entgegen. Für unsere Gäste ist es ziemlich aufregend, bei einem Spaziergang zufällig einem internationalen Star bei den Dreharbeiten zu begegnen, oder es ist bewegend, abends im Hotel Filme wie Sorrentinos „La Grande Bellezza“ zu schauen, um Rom nach der Stadtführung mit den Augen eines Kameramannes nochmal zu besuchen.

Welche sind denn eure Lieblingsfilme über Rom? Schreibt es uns doch einfach in die Kommentare.

 

Der Stadtführer

 Warum man einen Stadtführer buchen sollte

 

Der Stadtführer – Städtereisen

Die Städtereisen boomen in der Tourismus Industrie. Das ist ein positiver Nebeneffekt der Geburt der Low Budget Airlines, wie Ryan Air oder Easy Jet. Heute fliegt man gerne einmal für wenig Geld ein Wochenende in eine andere Stadt. Die beliebtesten Ziele sind die europäischen Hauptstädte, und diese haben sich in den letzten Jahrzehnten auch auf die Kurzreisenden und die Wochenendbesucher eingestellt. Sie sind zu einem wichtigen Bestandteil des Einkommens der Branche geworden und auch Verlagshäuser profitieren von der Reiselust der Menschen. Reiseführer verkaufen sich so gut wie noch nie, und der Stadtführer als Dienstleister ist ziemlich gefragt.

Der Reiseführer – das Buch

Reiseführer sind informativ. Sie sind oft gut strukturiert, bieten eine gute Übersicht über alles Sehenswerte und enthalten oft auch sogenannte „Geheimtipps“. Sie sind ein tangibles, ein materielles Produkt. Nach der Reise kann man es in der Bücherwand aufheben und immer wieder nutzen. Im handlichen Taschenbuchformat passen die Städteausgaben von Loneley Planet, Marco Polo und DuMont in jeden Rucksack. Sie sind jederzeit griffbereit. Sie erläutern die wichtigsten Monumente, stellen Stadtviertel vor und sind vollgestopft mit Tipps. Wo kann man am besten ein Ticket bestellen, welches Hotel hat die weichsten Kopfkissen und wo gibt es coole Antikmärkte und Vintage Klamotten? All das wird in ihnen beschrieben. Man muss ihn jedoch lesen. Wer gerne liest kann also gut vorbereitet dann ins Museum, wenn, laut Reiseführer, die wenigsten Besucher in der Schlange stehen. Das macht er dann, zusammen mit Tausenden der anderen Lesern der Ausgabe.

die Stadtführer des Deutsche Römerin Teams bei der Arbeit
Unsere Statdführer bei der Arbeit

Die Stadtführung – die Dienstleistung

Eine Reiseziel zusammen mit einem Stadtführer zu besichtigen, ist ein anderes Gut. Es ist eine Dienstleistung. Eine Stadtführung ist ein immaterielles Produkt. Sie ist eine personenbezogene Ware und wird gemeinsam mit dem Kunden produziert. Der Erfolg der Stadtführung wird also auch von ihm beeinflusst. Je mehr der Gast weiß, was genau er sich von der Besichtigung erwartet, desto besser kann der Dienstleister auf seine Wünsche eingehen. Ein wenig Vorbereitung kann hier von Nutzen sein. Doch ein guter Stadtführer erkennt auch innerhalb weniger Minuten die Bedürfnisse des unvorbereiteten Kunden. Er ist ein Menschenkenner und hat oft jahrelange Erfahrung in seinem Beruf. Letztendlich ist eine Stadtführung aber nicht lagerbar. Am Ende der Führung steht kein Buch im Regal, der Kunde steht „mit leeren Händen“ da. Lohnt es sich also tatsächlich einen Stadtführer zu buchen?

Der Stadtführer – ein „Erinnerungsweber“

Die Antwort ist „Ja, unbedingt!“.

Ein Buch ist zwar lagerbar, aber am Ende verfügt es nur über komprimiertes, faktischen Basiswissen. Der Stadtführer hingegen ist der echte Experte des Zielgebietes und das beste Instrument, um eine Stadt wirklich kennenzulernen. Er kennt seine Stadt nicht nur faktisch. Er erlebt seine Stadt täglich als Einwohner, kennt ihre Geschichte und Geschichten, ihre Gewohnheiten und ihre Neurosen. Sein Hintergrundwissen über Kunstgeschichte, Architektur, Archäologie und Folklore könnte Buchhandlungen füllen. Mit Charme, Humor und Fachwissen führt er seine Gästen durch die Stadt.

Wie das Objektiv einer Kamera lenkt er das Auge des Gastes auf das tatsächlich Wissenswerte.  Er motiviert sie, alle ihre Sinne zu benutzen und die Stadt zu sehen, zu ertasten, zu hören, zu riechen und zu schmecken. Und wie ein Weber nimmt er die Stränge ihrer Sinneseindrücke und verwebt sie zu dem für seine Stadt charakteristischen Muster. Dieses Muster verknüpft er dann mit den verschiedenen Assoziationsarealen auf ihrer Großhirnrinde.

So wird eine Stadtführung zu einem multiperspektivischem und multisensorischem Ereignis, das sich fest in ihrer Erinnerung verwurzelt.  Es ist also nicht richtig, dass man am Ende mit leeren Händen da steht. Was einem bleibt ist ein Lernerfolg und die nachhallende Erinnerung an einen schönen Urlaubstag in guter Gesellschaft.

Habt ihr auch schon Städtetouren mit einem Stadtführer gemacht? Oder bestenfalls sogar eine deutsche Stadtführung in Rom mit dem Deutsche RömerIn Team? Schreibt uns das doch in die Kommentare.

Mit dem Fahrrad durch Rom

Frühling. In Deutschland werden die Fahrräder abgestaubt und fitgemacht. Die Deutschen sind ein Fahrradvolk. Es ist das beliebteste alternative Fortbewegungsmittel. Es ist ein Sportgerät, Hauptdarsteller der Sonntagsausflüge, und zentraler Bestandteil des „Aktivurlaubs“. Und das schon seit vielen Jahrzehnten. Die öffentliche Hand unterstützt diese Leidenschaft. Es gibt Radwege, Fahrradstraßen, Fahrradständer an jedem öffentlichen Gebäude. Die Infrastruktur ist gegeben. In Italien ist es nicht so.

Der Römer und das Fahrrad – eine junge Liebe

Bis neulich, war das Fahrrad in Italien ein Sportgerät, nichts anderes. Der Radsport ist hier der beliebteste Sport, nach dem Fußball. Bei den Rennradherstellern spielt Italien ganz vorne mit. Hersteller wie Bianchi sind weltbekannt, und manche Modelle kosten gut und gerne bis zu 10.000 Euro. Das Giro d’Italia gehört zu den Top Sport Events der Welt, brachte Idole wie Fausto Coppi oder tragische Helden wie Marco Pantani hervor. Über den letzteren wurde 2020 auch ein Film gedreht. Fast jeder zweite Teilnehmer kommt aus Italien. Als alternatives Fortbewegungsmittel setzte sich das Rad jedoch nie durch. Wer nicht Auto fährt, fährt Motorroller.

Der Trend: „Hin zum Fahrrad“

Mit dem steigenden Umweltbewusstsein der Italiener, und der politischen Linie Europas zur CO2 Reduktion, ändert sich nun die Lage. Der Trend ist „Hin zum Fahrrad“. Überregionale Projekte wie der adriatische Radweg (Ciclovia Adriatica) werden realisiert. Und auch die römische Kommunalverwaltung hat sich ins Zeug gelegt. In und um Rom sind in den letzten Jahren insgesamt über 700km Radwege entstanden.  Einer davon ist der Fahrradweg am Tiberufer. Mit dem „COVID-Bonus“ für Fahrräder, einer Initiative, um die Überfüllung öffentlicher Verkehrsmittel in der Pandemie zu vermeiden, wurden Rekordabsätze erzielt. Dem Verbraucher wurden 60% des Kaufpreises eines neuen Rads vom Staat zurückerstattet. Der Römer steigt um. Jetzt fährt er auch mit dem Fahrrad durch Rom.

Zwei Frauen fahren mit dem Fahrrad am Tiberufer
Paola und Annett fahren mit dem Fahrrad durch Rom.

Mit dem Fahrrad durch Rom – Die Fahrradtour am Tiber

Für uns Stadtführer ist das eine Gelegenheit. Nichts ist schöner, als mit euch, liebe Gäste, die Stadt mit dem Fahrrad zu erobern. Wir von der Deutschen Römerin haben uns den Fahrradweg am Tiber mal genauer angeschaut und ihn in unserem letzten Youtube Video vorgestellt.

Der Uferweg am Tiber ist tief gelegen. Er liegt unterhalb der 16 Meter hohen Flutmauern, die zwischen 1876 und 1926 gebaut wurden. Der Bau der Flutmauern war notwendig. Da die römische Innenstadt durch den enorm schwankenden Wasserstand des Tibers oft unter Wasser stand, verhinderte man mit dem Bau der Mauern das ständige Ausufern. Heute verhindert sie auch die Verkehrs-, Abgas- und Lärmbelästigung der Nutzer der Fahrradstrecke.

Mit dem Fahrrad durch Rom – Neun Kilometer Natur, Geschichte und Alltag

Auf neun Kilometern Strecke fahren wir also mit dem Fahrrad durch Rom, direkt am Fluss entlang. Aus einer einzigartigen Perspektive können wir die Brücken von Rom betrachten. Brücken aus allen Epochen der Stadt wechseln sich ab. Wir sehen Beispiele aus der römischen Antike, der Renaissance, dem Barock, des Neuklassizismus, der Vorkriegszeit und der zeitgenössischen Architektur. Die meisten davon sind prächtig. Sie sind die unterschätzten und oft übersehenen Nebendarsteller unter den römischen Monumenten.

Wir fahren weiter an Fluss und an vielen Monumenten vorbei. Und während einige Anblicke uns den Atem rauben wird es langsam grüner. Je weiter man nach Norden gelangt, desto mehr weichen die Monumente der Innenstadt den Orten des Alltags der Römer. Wir sehen die Hausboote und Anlegestellen der Ruderclubs, die Skateboard Parks, auf denen sich die römische Jugend tummelt, Sportvereine mit Tennisspielern und vieles mehr. Bei der Radtour entdecken wir das Leben der Stadt fernab vom Massentourismus.

Die Engelsbrücke und die Ponte della Musica mal aus anderer Perspektive

Mit dem Fahrrad durch Rom – Die Tiberinsel

Auf halber Strecke befindet sich auch die Tiberinsel. Auf der Insel steht heute das Krankenhaus der barmherzigen Brüder, eine Kirche uns ein mittelalterliches Gebäude. Die ältesten Brücken der Stadt verbinden sie mit beiden Ufern. Am Inselufer, einer kleine Oase der Ruhe und Natur inmitten des Trubels der Stadt entspannen sich die Römer gerne. Man sitzt im Schatten der Brücken oder hört dem Rauschen der Stromschnellen zu. Menschen treffen sich, und Angler werfen ihre Köder aus. Obwohl auch Touristen die Insel gerne besuchen, sehen wir überwiegend Einheimische, die dieses kleine Naherholungsgebiet genießen. In den Sommermonaten ist die Tiberinsel und das gegenüberliegende Ufer ein Veranstaltungsort. Das Fest „Lungo al Tevere“ (Juni bis September) verwandelt den Ort zum Schauplatz eines Stadtviertelfestes und zur Bühne für Freilichtkino, Konzerte und Lesungen.

Quattri Capi auf der Ponte Fabricius, Reste der römischen Verzierung der Tiberinsel
Altertümliches auf der Tiberinsel

Fazit

Ohne Zweifel ist die Pandemie ein schwerer Schlag für die Tourismusbranche in Rom. Doch ihre Folgen haben auch den Wandel beschleunigt, das Fahrrad als Freizeitgerät zu entdecken. Der italienische Staat förderte die Anschaffung und verbesserte die Infrastruktur. Uns Stadtführern hat sie vorübergehend die Arbeit geraubt. Aber gleichzeitig hat sie uns die Zeit und die Möglichkeit geschenkt, Rom ganz neu zu erleben und zu erkunden.  Ein Weg raus aus der Betriebsblindheit des Berufsalltags, und hin zu neuen Programmen und Perspektiven. Bald, liebe Gäste, dürfen wir diese Erlebnisse wieder mit euch teilen.

Ich hoffe wir können bald gemeinsam aufsatteln und zusammen mit dem Fahrrad durch Rom radeln.

Seid ihr auch Aktivurlauber, die gerne mit dem Fahrrad fahren? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Natale di Roma

Natale di Roma 

Im April wird in Rom Natale di Roma gefeiert. Heute ist der 21. April 2021. Das ist der 2774. Geburtstag der Stadt. Man sagt, Rom wurde an diesem Tag von den Stadtvätern Romulus und Remus gegründet. Dabei handelt es sich um ein konstruiertes Datum, nicht um ein historisches. Denn mit Hilfe von Überlieferungen und alten Kalendern versuchten Historiker den genauen Tag der Gründung Roms zu ermitteln. Das  Ergebnis war der heutige Tag im Jahr 753 v. Chr.

Il „Gruppo Storico Romano“

Natale di Roma wird mit einer Veranstaltung gefeiert. Dabei handelt es sich um ein Festwochenende im Zirkus Maximus mit Darbietungen, Informationsständen, Fanartikeln und einer beeindruckenden Parade durch das römische Forum. Veranstalter ist der historische Verein Roms, der 1996 gegründet wurde. Er nennt sich „Gruppo storico romano“, hat circa 250 Mitglieder, und betreibt ein didaktisches Museum, ein Legionärslager, und eine Gladiatorenschule an der Via Appia.

Handgemachte Rüstungsteile, Gladiatoreen am Kolosseum
Handgemachte Rüstungsteile, Gladiatoren am Kolosseum

Die Aktivitäten des Vereins

Selbstverständlich ist das Ziel des Vereins nicht, echte Gladiatoren und Legionäre auszubilden. Ziel der Vereinsmitglieder ist es, sich in die Antike zurückzuversetzen und die Epoche ein Stück weit nachzuempfinden. Das machen sie mit allem Drum und Dran, sowohl für sich selbst als auch für alle interessierten Gäste. Es werden Uniformen, Togen und Gewänder genäht, Lederrüstungen angefertigt und Waffen geschmiedet, um sie im Museum auszustellen oder um sie bei Veranstaltungen zu tragen. Dabei halten sie sich akribisch an die historischen Vorlagen. In Kursen werden Gäste in der Kampfkunst der Gladiatoren unterrichtet. Als Legionäre organisieren sie gemeinsame Wochenenden und stellen Schlachten nach, streng nach historischem Vorbild.

Für unsere Incentive Gäste organisieren wir mit der Gladiatorschule auch Team Building Events. Ihr könnt euch hier ansehen, wie abenteuerlich so ein Training sein kann.

Der Natale di Roma Festzug

Im April wird eingeladen. Gemeinsam mit Hunderten von Mitgliedern anderer italienischer Legionen und Kohorten in ihrer jeweiligen historischen Ausrüstung, veranstalten sie eine Parade. Der Festzug beginnt üblicherweise um 14 Uhr und führt vom Veranstaltungsort durch die Ruinen des Forum Romanum und am Kolosseum vorbei. Die Teilnehmer sind bunt gemischt, alle Geschlechter und Altersklassen sind vertreten. Im Zug befinden sich Legionäre aus allen Teilen des römischen Reiches in ihren verschiedenen, den Klimata angepassten Rüstungen.

Gladiatoren am Kolosseum und am Konstantinbogen im Forum Romanum
Gladiatoren marschieren am Kolosseum auf

 

Die Legionäre aus Britannia tragen Bärenfelle über den Rüstungen, Legionäre aus Phönizien tragen spitze Helme und leichtes Leder. Die Zivilbevölkerung des alten Roms ist auch dabei. Senatoren, Vestalinen, Adelsmänner und Adelsdamen, Blumenmädchen und Flamen (Hohepriester des Augustuskultes) feiern gemeinsam mit den Zuschauern das Stadtjubiläum. Es ist einzigartiges Schauspiel.

Eine versäumte Chance?

Im Bereich der Städtereisen ist Event Tourismus schon lange ein Thema. Venedig oder Rio de Janeiro haben Karneval, München das Oktoberfest. Natale di Roma hingegen ist kaum bekannt. Sogar viele Römer wissen nichts von dieser Veranstaltung. Roms Stadtverwaltung hat die Chance bisher versäumt das Fest angemessen zu bewerben, um Gäste nach Rom zu locken. Das muss aber kein Nachteil sein. So bleibt das Fest gemütlich und authentisch, ein Geheimtipp eben.

Habt ihr den Festzug schon einmal gesehen oder plant ihr in Zukunft ein Firmenevent? Dann hinterlasst uns einen Kommentar oder kontaktiert uns.

Highlights und Geheimnisse des Vatikan

Highlights und Geheimnisse des Vatikan: Petersplatz, Petersdom, Kuppel & Co

Freunde, heute steht ein ganz besonderer Ausflug auf dem Programm! 
Anders als sonst verlassen wir den italienischen Boden und ziehen ausnahmsweise nicht durch die Ewige Stadt.Ich teste das You Tube Video von der Deutschen Römerin und begebe mich auf die Spuren der Highlights und Geheimnisse des Vatikan. Gemeinsam tauchen wir in die geheimnisvolle Welt des kleinsten Staat der Welt ein und das doch wieder mitten in Rom. 

Der Vatikan: Große Meisterwerke im kleinsten Staat der Welt

Beim Vatikan denkt man sofort an :

das Kirchenoberhaupt, den Papst und den monumentalen Petersdom, oder? 
Ich muss ja gestehen, dass der Petersplatz bei meinen etlichen Rom-Besuchen meist leicht in den Hintergrund geraten ist. Ich war so sehr darauf konzentriert, die Plätze und kleinen, versteckten Ecken des täglichen Lebens zu in Rom zu erkunden, dass ich die großen Meisterwerke dabei leicht vergesse. „Betriebsblind“ ist wahrscheinlich die richtige Bezeichnung für dieses Phänomen. Die Kuppel des Petersdoms wurde irgendwann von einem Meisterwerk, zu einem festen Bestandteil der römischen Skyline. 

 

ein Highlight des Vatikan - die Kuppel

Erst ein Highlight, dann ein Orientierungspunkt, der irgendwann fast selbstverständlich…dazugehört.
Umso schöner und wertvoller ist es, mich heute daran erinnern zu dürfen, dass “selbstverständlich” wohl das letzte Wort ist, das mit der Kuppel in Verbindung gebracht werden sollte. 
Von dem Gebäude, das sie krönt ganz zu schweigen! Allein die Tatsache, dass das römische Stadtgebiet einen unabhängigen Staat beherbergt ist: einzigartig!
Während ich mich auf den Weg mache, habe ich für euch ein paar Kuriositäten zum Kirchenstaat:

Wusstest du, dass:

  • Der Vatikan mit nur 44 Hektar ist der kleinste souveräne Staat der Welt ist? 
  • Knapp die Hälfte des Staatsgebietes aus den Vatikanischen Gärten besteht?
  • Der Vatikan die Staatsform einer Wahlmonarchie ist . Das Staatsoberhaupt ist der Papst.
  • Amtssprache ist unter anderem auch Latein. Wer will kann bei der Sprachauswahl des Geldautomaten lateinisch auswählen. 
  • Mit stolzen 100% hat der Vatikan nicht nur den höchsten Katholikenanteil, sondern auch die höchste Alphabetisierungsrate der Welt.
  • Gleichzeitig herrscht im Kirchenstaat aber auch die höchste Kriminalitätsrate. Meist handelt es sich dabei um Taschendiebstähle.
  • Der Vatikan besitzt sogar eine Fußballauswahl (bestehend aus Schweizergardisten, päpstlichen Räten und Museumswächtern).
  • Trotzdem ist die Vatikanstadt kein Mitglied der FIFA. Denn das Staatsgebiet verfügt ohnehin über keinen Fußballplatz, der den FIFA-Normen entspricht.

Es gibt auch noch unendlich viele weitere unglaubliche Fakten, Geheimnisse, Mythen und Skandale, die sich um den Vatikan ranken. Aber sie zu erzählen, überlasse ich lieber den Profis (also Annett und ihrem Team:-).
Aber alles Weitere verrate ich euch unterwegs… Los geht’s!

Auf der Erkundungstour durch den Vatikan steht folgendes auf dem Programm

Wir werden:

  • den monumentale Petersplatz und seine Kolonnaden bewundern,
  • den Petersdom betreten und seine Meisterwerke bestaunen, 
  • die Kuppel der Kirche erklimmen und
  • uns Zugang zum Deutsche Friedhof im Vatikan verschaffen.

Kleiderordnung: Was zieh ich an, damit ich den Vatikan besichtigen kann? 

Bevor wir losgehen erst einen wichtigen Check, ob die Kleidung auch stimmt. 

Nein das geht jetzt nicht in Richtung Fashion-Blog und Modeberatung. Ihr solltet trotzdem auf richtige Kleidung achten, wenn ihr in den Vatikan wollt. Die Tür am Petersdom ist fast so streng wie vor dem Berliner Berghain…aber nur fast. Der Dresscode ist alles, könnte aber nicht unterschiedlicher sein!

Mini Röcke und knappe Jeansshorts, bei der die Taschen länger als die Hosenbeine sind, sind im Vatikan auch bei hochsommerlichen Konditionen keine Option. Generell solltet ihr darauf achten, dass die Knie und Schultern bedeckt sind. Auch tiefe Ausschnitte widersprechen dem Dresscode, der zum Besuch des Petersdom und der Sixtinischen Kapelle berechtigt. 

Achtet also bitte im Vorfeld darauf! Notfalls kann man sich hier auch mit einem Tuch behelfen.

Highlights und Geheimnisse des Vatikan: Via di Conciliazione, die Prachtstraße zum Petersplatz

Es gibt mehrere Möglichkeiten zum Petersplatz zu gelangen. Ich komme meistens von der Metrostation Ottaviano. Nicht nur weil es schnell geht, sondern auch weil in der Via Barletta einer meiner Lieblingsläden ist: Dolce Maniera. Klein und versteckt, aber es gibt Cornetti für 30 cent! Heute entscheide ich mich für die Variante über die Engelsbrücke. Von dort komme ich geradewegs auf die von Mussolini geplante Prachtstraße „Via di Conciliazione“ (italienisch für Straße der Versöhnung) die kerzengerade zum Petersplatz führt. 

Geheimnis des Vatikans - wo gibt es diese Leckereien
Meine Lieblingspasticcheria beim Vatikan

Die Straße ist extrem eindrucksvoll, ohne Frage! Aber immer wenn ich wie jetzt von der Engelsbrücke in Richtung Petersdom marschiere, stelle mir vor, wie es “früher” war. Bevor 1950 die Straße eröffnet wurde, war hier noch ein Wohnviertel. Die sog. Häuserreihe “Spina di Borgo” stand inmitten der heutigen Paradenstraße. Ursprünglich hatte Bernini bei der Planung des Petersplatz mit seinen Kolonnaden nämlich mit dem Prinzip des Überraschungseffekt gespielt. Wie unglaublich muss das bitte gewesen sein, wenn man damals als Pilger (lange vor Fernsehen, Instagram, Youtube und co.) aus dem verwinkelten Wohnviertel kommend, plötzlich dieser weiten Platz vor einem auftauchte!? So ganz ohne Spoiler…

Der Petersplatz: Der Platz der Säulen, Symmetrie und tiefen Symbolik

Generell beneide ich jeden, der diesen Platz zum ersten Mal betritt und diese unglaubliche platzgewordene Symphonie auf sich wirken lassen kann. Die ellipsenförmige Piazza San Pietro ist ein absolutes Meisterwerk! Der Obelisk in der Mitte, rechts und links die Springbrunnen und dann diese Säulenreihen (Kolonnaden), die alles einrahmen. Diese Piazza, die Gian Lorenzo Bernini hier zwischen 1656 und 1667 geschaffen hat, vereint Schönheit mit Symmetrie, extremen Dimensionen und optischen Täuschungen. 

Ich habe echt vergessen, wie wirkungsvoll diese Kolonnaden sind! Sie rahmen nicht nur den Platz ein, sondern scheinen einfach mal die ganze Stadt zu umarmen! Mal hat man das Gefühl, die Säule kommen auf einen zu, dann entfernen sie sich wieder. Nur wenn man sich auf die kleine Kachel “Centro del Colonnato” stellt, stehen sie brav aufgereiht hintereinander. Sie verschwinden förmlich hinter der ersten und das ist der genialen Berechnung Berninis zu verdanken. Ich liebe es mich auf diesem gigantischen Platz richtig klein zu fühlen. Bei meinem aller ersten Rombesuch (Ostern 2000) hat man mir gesagt, dass ein ausgewachsener Mann gerade mal die Größe eines Stiftes hat, den eine der vielen Stauen in der Hand hält. Ich war damals 12, also nur einen halben Stift groß, und tief beeindruckt. 

mein erster Rombesuch zu Ostern 2000
mein erster Rombesuch im Jahr 2000

Meine Praxistipps zum Petersplatz

  • Top: Besonders wirkungsvoll ist die Piazza in den Abendstunden im Herbst, wenn wenig los ist und der Platz in goldenes Licht getaucht ist.
  • Flop: Alle paar Minuten wird man auf dem Weg zum Dom gefragt, ob man eine Tour buchen möchte. Ich fühle mich wie in einem Geschäft, wo ich alle paar Minuten der Verkäuferin sagen muss: “Nein, danke. Ich schau mich nur um.”
  • Mein Tipp: Passt unter den Säulen auf! Im Vatikan treiben nicht nur Taschendiebe ihr Unwesen, sondern auch Tauben. Eines Morgens warte ich mit einer Freundin auf die Papstaudienz. Während sie entspannt an einer Säule lehnte, wurde sie von oben von einem Taubenschiss getroffen. Statt zur Audienz ging es quer durch die Gassen auf die Suche nach einem Friseur. Erst als ihr Haupthaar wieder rein und duftend war, konnten wir weiter durch Rom ziehen, die Audienz haben wir verpasst. Trotzdem ein unvergesslicher Morgen und angeblich bringt das ja Glück…

Highlights und Geheimnisse des Vatikan: Der Petersdom, die Kirche der Superlative!

Das Herzstück der Piazza ist kaum zu übersehen! Gemeint ist natürlich der Petersdom. Normalerweise bin ich nicht der Typ, der Kirchen besichtigt. Ich besuche sie. Und für den Kirchenbesuch bevorzuge ich normalerweise Gotteshäuser eines kleineren Kalibers. Das ist wie mit Konzerten. Da mag ich die kleinen Clubs auch lieber als große Stadien mit Flutlicht und Big-Screens. Der Petersdom ist allerdings der Hockenheimring der katholischen Kirchen. Ein ziemlich groß geratenes Kind seiner Zeit…

die Umarmung der Kirche - das Highlight. der Petersplatz

Die Basilika ist nicht nur die Grabstätte des Apostels Petrus und gleichzeitig auch die wichtigste Pilgerstätte der Katholiken aus aller Welt! 22 Päpste, 14 Architekten und unzählige Künstler und Baumeister (bekannte und unbekannte) haben in den 120 Jahren ihres Baus wahrlich Geschichte geschrieben. Während ich die Stufen hochlaufe frage ich mich, ob wir es hier mit dem ersten Crowdfunding Projekt der Geschichte zu tun haben. Neben Aufsehen und Kritik, sorgte die Finanzierung des Bauvorhabens gleich auch für eine Kirchenspaltung.  Die Publicity war also nicht durchweg positiv.

So ein kleines bisschen Ambivalenz schwingt trotz Bewunderung bei jedem Schritt leise mit. Einerseits verkörpert der Petersdom Prunk und plakative Machtdemonstration. Gleichzeitig repräsentiert er auch einen wunderbar feinen Sinn für Schönheit, harmonische Proportion, Kreativität und Liebe zum Detail. 

Meisterwerke des Vatikan: Der Petersdom und seine Kunstwerke

Liebe zum Detail ist genau das Stichwort, es gibt wirklich unglaublich viele nennens- und sehenswerte Kunstschätze im Petersdom. Ich laufe durch die heiligen Halle und schaue mich ehrfürchtig um. Ich betrachte die heilige Pforte. Sehe mir die weltberühmte Pietà von Michelangelo an. Langsam arbeite ich mich nach vorne zum Bernini Baldachin über dem Papstaltar. Dort entdecke ich ein paar Bienen. Dank Annett und ihrem Team kenn ich mittlerweile auch die Geschichte hinter den fleißigen kleinen Insekten im massiven Bronzealtar. Was mich besonders beeindruckt sind die Gemälde, in der Kuppel, die gar keine Gemälde, sondern Mosaike sind. Ein schönes Symbol eigentlich. Schließlich setzt sich auch eine so große Institution der katholischen Kirche aus ganz vielen einzelnen kleinen Menschen zusammen. 

Mein absoluter Favorit ist aber der abgegriffene Fuß der Petrusstatue. Die Berührung des rechten Fußes des Heiligen soll angeblich Segen und Glück bringen. Daher hat der heilige Petrus dank der vielen Pilger mittlerweile einen ziemlichen Klumpfuss. Ich finde es faszinierend, wie diese vielen kleinen, beiläufigen Berührungen – gepaart mit Hoffnungen, Gebeten und Wünschen – über die Jahrhunderte so deutliche Spuren hinterlassen. Und das in einem Material, das durch Härte und Verschleißfestigkeit besticht. Ich werfe meinem Lieblingsapostel Petrus einen geistigen Luftkuss zu, um seine geschundenen Füße zu schonen und begebe mich langsam Richtung Ausgang. 

Meine Praxistipps zum Petersdom

  • Top: Zwei Erkenntnisse, die der Besuch des Petersdom brachte: Der stete Tropfen höhlt den Stein und Menschen brauchen etwas zum Anfassen.
  • Flop: Als Kirche ist es mir persönlich etwas zu groß, zu laut, zu mächtig. Eher ein Museum als ein Ort der Andacht, Anbetung, Besinnung und Bescheidenheit.
  • Mein Tipp: Wenn ihr den Petersdom besichtigen wollt und Näheres über die Architektur, Kunst und Geschichte erfahren wollt, kann ich euch wirklich eine Führung ans Herz legen. Denn vieles übersieht man bei der Fülle einfach. Gerade die Geschichten hinter den Kunstwerken, die versteckte Symbolik, die Kuriositäten und Besonderheiten sind es, die das Gebäude und seine Geschichte lebendig werden lassen. Auch die Proportionen sind wirklich bemerkenswert und haben ein eigenes Kapitel verdient.

Highlights und Geheimnisse des Vatikan: Der Deutsche Friedhof im Vatikan

Allen deutschsprachigen ist der Zugang zu diesem etwas verstecktem Kleinod gewährt: Der Campo Santo Teutonico. Besser bekannt als der Deutsche Friedhof im Vatikan. Wenn ihr den Beitrag zu den versteckten Sehenswürdigkeiten in Rom gelesen habt, wisst ihr, dass ich mir dieser Programmpunkt besonders gefällt. Dort habe ich von zwei anderen Friedhöfen in Rom berichtet und sie als Inseln der Ruhe bezeichnet. Gleiches gilt natürlich auch für den deutsche Friedhof im Vatikan. Was aber das spannendste an diesem Friedhof ist, dass er offiziell nicht zum Vatikan gehört, sondern zum italienischen Staatsgebiet. Ein Stück Italien inmitten eines Zwergstaat, und das in Rom. Eine Insel auf der Insel und ein bisschen wie bei Inception…

Ihr findet den Campo Santo, wenn ihr aus dem Petersdom rauskommt, auf der rechten Seite. Da es schon fast nachmittag ist, weiss ich (aus Erfahrung), dass es schon zu spät für die Besichtigung ist. Zum Glück hatte ich schon oft die Gelegenheit diesen Friedhof zu besuchen. Normalerweise müsst ihr den Schweizer Gardisten in ihren unverkennbaren blau-gelb-roten Uniformen am Gittertor einfach nur (auf deutsch) sagen, dass ihr den Deutschen Friedhof besuchen möchtet.

Meine Praxistipps zum Friedhof der Deutschen im Vatikan

  • Top: Exklusiver Zugang für deutschsprachige.
  • Flop: Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt. Man kann den deutschen Friedhof im Vatikan immer morgens von 7 bis 12 Uhr besuchen. Ausgenommen mittwochs und samstags.
  • Mein Tipp: Kommt früh genug und lasst euch diese Perle bei eurem Besuch im Vatikan nicht entgehen. Wirklich eine kleine Insel der Andacht!

Der Vatikan und Rom von oben: Der Aufstieg auf die Kuppel vom Petersdom

Mein letzter Besuch auf der Kuppel ist stolze 10 Jahre her! Nach so viel geistlichem Input an diesem Vormittag hab ich jetzt wirklich Lust auf ein bisschen körperliche Betätigung. Wie im Video der deutschen Roemerin erwähnt, begebe ich mich wieder zum Eingang des Petersdom und nehme die rechte Treppe. Ich lasse 8 Euro für den Kuppelaufstieg springen und steige alle 550 Stufen selbst empor. Für alle, die nicht gut oder gern zu Fuß sind gibt es die die “Schummelvariante”, bei der man die ersten 230 Stufen per Aufzug überbrücken kann. 

Der 360 Grad Blick über den Vatikan und Rom ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis. Ganz nebenbei kann man so sogar einen Blick in den deutschen Friedhof werfen, wenn man, wie ich, spät dran ist. Der Ausblick ist wirklich himmlisch!

Meine Praxistipps zum Aufstieg zur Kuppel des Petersdom

  • Top: Ein wirklicher Geheimtipp ist der Kuppelbesuch im Vatikan zwar nicht, aber der Ansturm hält sich in Grenzen und trotzdem viel zu sehen.
  • Flop: Nicht barrierefrei und nichts für Klaustrophobiker. Tickets kann man online NICHT vorbestellen.
  • Mein Tipp: Nicht nur der Ausblick über die Ewige Stadt von ganz oben lohnt sich, sondern auch der Blick in die Basilika aus der Vogelperspektive. 

der weite Blick von der Petersdomkuppel- ein Highlight im Vatikan
Blick von der Kuppel

Die vatikanischen Museen: die Sixtinische Kapelle und VIELES mehr!

Last but not least dürfen die Vatikanischen Museen bei einem Besuch im Vatikan nicht fehlen. Sie beherbergen eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Alle Säle und Gänge summieren sich auf eine stolze Länge von 7 Kilometern. Dort findet ihr Werke von der Antike bis zur Neuzeit. Giancarlo sagt, wenn ihr bei jedem Objekt nur 1min stehen bleibt braucht man 14 Jahre. Wenn man dann mit Anna noch die Frisuren der Marmorbüsten analysiert, kommen noch ein paar Monate hinzu. 

Kurioses über Bratpfannen in der Sixtinischen Kapelle und brandheißen Gossip über Michelangelo, der den Zeremonienmeister malerisch disst, noch mehr Highlights und Geheimnisse des Vatikan erfahrt ihr auf einer Tour durch den Vatikan und die Vatikanischen Museen mit dem besten Tourguide-Team der Welt. 

Ich bin aber für heute durch mit meinem Programm und bevor ich wieder in den Bus in die Abruzzen steige, hole ich mir doch noch ein paar Cornetti bei Dolce Maniera als Wegzehrung. 

Hat euch der Artikel neugierig auf einen Besuch im kleinsten Staat der Welt gemacht oder seid ihr selbst schon einmal da gewesen? Wenn ja, was hat euch im Vatikan besonders gut gefallen? Habt ihr persönliche Tipps oder verratet mir eure Highlights und Geheimnisse des Vatikan. Über eure Kommentare würde ich mich sehr freuen.

Eure Jule

Die grüne Seele Roms

Die grüne Seele Roms – Gärten und Parkanlagen der ewigen Stadt 

4250 Hektar oder 42.5 Km2. Das ist die Summe der Grünflächen innerhalb der römischen Stadtgrenze. Die grüne Seele Roms sind die Gärten und Parkanlagen, inmitten der Wohngebiete und in der unmittelbaren Umgebung des Zentrums.

Als ich vor vielen Jahren nach Rom zog, ist mir der Reichtum an Natur sofort aufgefallen.
Obwohl ich, als Karlsruher, aus einer Stadt komme, die mitten in einen Wald gebaut wurde. Doch hier dreht es sich nicht um eine Stadt mit 300 000 Einwohnern, sondern um die Hauptstadt Italiens, die Größte im Land mit knapp 3 Millionen Bürgern.
Das empfinde ich heute noch als beachtlich.

Die üppige Präsenz der Natur im unmittelbaren Lebensraum steigert die Lebensqualität der Stadtbewohner.

Besonders in Zeiten wie diese, in der die Auswahl an Beschäftigungen eingeschränkt ist, sind die Naturschutzgebiete, Gärten und Parkanlagen ein willkommenes Mittel gegen Trübsal. Die Römer strömen geradezu ins Grüne, bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und für alle ist etwas dabei. Man kann in den großen Parkanlagen Roms, die einst zu den Landsitzen der Adelsfamilien gehörten, spazieren gehen. Oder mit Freunden im Schatten antiker Wasserleitungen im Parco degli Acquedotti picknicken. Man kann entlang der Via Appia durch die Zeit reisen. Oder einfach nur das Panorama genießen, vom Janushügel oder dem Parco Regionale Urbano Pineto. Der Ausflug aufs Land ist für den Römer oft nur ein Katzensprung entfernt.

 

 Die rießigen Pinienbäume in den Parks von Rom
Römische Pinien – unsere ewigen Wächter

Die grüne Seele Roms –  Kirschblüten in Rom 

Die grüne Seele Roms sind auch die Pinien und Platanen. Jeder kennt sie, und sieht man diese Bäume an anderen Orten, erinnert man sich sofort an seinen letzten Aufenthalt in unserer Stadt. 
Jedoch im Frühling, stiehlt die Pracht der in Blüte stehenden Bäume den alten „Wächtern“ das Rampenlicht.

Der Judasbaum, dessen Blüten in intensivem Purpur die Hänge des Palatins schmücken. Die Glyzinien, auch Blauregen genannt, die in den Gassen von Trastevere die Eingänge umranken und deren Duft einen fast benommen macht. Und auch die japanische Blütenkirsche hat sich in vielen Ecken Roms durchgesetzt und eingelebt. Ihre zartrosa Blüten schmücken den botanischen Garten und den Seepark im E.U.R.

 

die Farbenpracht auf einem der sieben Hügel Roms
Frühling in Rom. Judasbäume auf dem Palatin.

Die schönsten Kirschblüten bringt der Prunus Serrulata, die japanische Kirsche, hervor. 

Einmal im Jahr erblüht er, und wenn die Schönheit seiner Blüte, die Sakura, ihre Perfektion erreicht hat, wird sie vom Wind verweht. Als Symbol der Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens wird die Sakura schon seit dem achten Jahrhundert in Japan gefeiert, mit Hanami (jap. “Blüten betrachten“), bei uns bekannt als das Kirschblütenfest. Die Römer und die japanische Gemeinschaft feiern das Hanami im Parco Centrale del Lago. Dieser Seepark liegt im Stadtviertel E.U.R., in dem, ganz anders als im Rest von Rom, die rationalistische, moderne und zeitgenössische Architektur zu bewundern ist. 

Parkanlage mit Kirschblüten Laghetto vom EUR
Ausflugtipp: der Laghetto vom EUR

Die Gegend um den Park entstand am Ende der 50ger Jahre in Vorbereitung der olympischen Sommerspiele von 1960.
Nobusuke Kishi, der japanische Premierminister auf Staatsbesuch in Rom, spendete 1959 dem neuen Park die ersten japanische Kirschen. Der Baumbestand wird seitdem gepflegt und regelmäßig erneuert. 

Dieses Jahr fällt Hanami in Rom leider aus. Doch wir können den Film „Kirschblüten Hanami“ von Doris Dörrie, ein gefühlvoller Film über die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens anschauen. Gleichzeitig freuen wir uns schon darauf, nächstes Jahr mit euch, mit Picknickdecke, Sushi und Sake bewaffnet Hanami zu feiern. 

 

Die grüne Seele Roms  – Der „Orto Botanico“ von Rom

Im Botanischen Garten Roms hingegen kann sich man nicht nur an Kirschblüten, Judasbäumen oder Blauregen erfreuen.
Eine Vielzahl prächtiger Farben und frischer Grüntöne lädt hier zum Verweilen und Erforschen ein.

Südlich vom Vatikan und nördlich des Zentrums von Trastevere, also in der Nähe des Tibers steht der Palazzo Corsini.
Ein wunderschöner Palast mit einer phänomenalen Kunstsammlung. Zurzeit befindet er sich im Umbau, und ist aus diesem Grund nicht besuchbar.  

Der Garten des Anwesens ist dennoch geöffnet.  Dort befindet sich der botanische Garten der Fakultät für Landschafts- und Gartenarchitektur der Sapienza Universität. Wer ihn besucht, kommt aus dem Staunen nicht raus. Eine Oase der Schönheit und des Friedens, 12 Hektar groß, mitten in der Stadt. Spazierend wechselt man von einer Landschaft in eine andere. Durch einen mediterranen Wald, an japanischem Riesenbambus und einem Farntal vorbei, und durch bunte Rosengärten, kann man über 3000 Pflanzenarten bewundern.

Wasserfall im botanischem Garten in Trastevere
Der Wasserfall im japanischem Teil des „Orto Botanico“

Im Kräutergarten, der schon im Mittelalter von Mönchen angelegt wurde, werden Arzneipflanzen gepflegt. Manche davon sind selten oder bis auf die hier vorhandenen Exemplare, sogar schon ausgestorben.
Außerdem beherbergen noch verschiedene Gewächshäuser aus dem 19. Jahrhundert Pflanzen aus tropischen und trockenen Klimata.
All das im Schatten des Palazzo Corsini, dessen berühmteste Eigentümerin im 17. Jahrhundert lebte, die Prinzessin Christina von Schweden. 

„Agaven in der hoheitlichen Badewanne“

Auch wenn das Palastinnere der berühmten Monarchin, die einst die „göttlichen Garbo“ auf der Kinoleinwand verkörperte , nicht zu besichtigen ist, können wir zumindest die Badewannen der Prinzessin bestaunen. Die stehen nämlich im Gewächshaus und dienen heute als Blumentöpfe für Agaven, Stechpalmen und Kakteen. 

die Agaven in der königlichen Badewanne
Eine der Badewannen der Königin Christine von Schweden.

 

Seid ihr Naturliebhaber? Nehmt ihr euch auch in Großstädten die Auszeit in den Parks oder zieht es euch eher zu den Hauptsehenswürdigkeiten? Über einen Kommentar von euch würde ich mich sehr freuen.

Euer Niels

 

Ostern in Rom

Ostern in Rom – Dieses Jahr ist alles anders – ein deutsch-römisches Ostern 

Ostern in Rom bedeutet für mich Hochsaison. Harter Saisonstart. Ich lebe seit 15 Jahren in Rom und arbeite als Stadtführer.  Deshalb assoziiere ich mit dem Osterfest Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Lange Tage mitten im Trubel, Schlange stehen vor Monumenten und sich dabei „den Mund fusselig reden“, um meinen Gästen die langen Wartezeiten so informativ und unterhaltsam wie möglich zu machen. Von jetzt bis Ende Oktober können wir die freien Tage fast an zwei Händen abzählen. Und das ist auch gut so, denn nach den Wintermonaten, in denen wir eher gelegentlich arbeiten, fehlt uns der Gast. Uns fehlen sein Interesse, sein Lachen und seine Dankbarkeit, und wir freuen uns unsere Zeit wieder mit ihm verbringen zu dürfen. Ostern ist da Nebensache.

Doch dieses Jahr ist alles anders.

Nachdem wir letztes Jahr noch dachten, der Saisonbeginn würde sich einfach nur verzögern, hat uns die Realität schon lange eingeholt. Zum zweiten Mal feiern wir Ostern ohne Gäste. Das soll mich aber nicht davon abhalten, euch zu informieren, wie Römer und Italiener generell Ostern feiern, und wie es sich vom deutschen Osterfest unterscheidet. 

 

Ostern in Rom
Osterfrühstück in Italien

 Wo ist denn der Hase hin?

Während in Deutschland schon Monate vor Ostern in dem Supermärkten die Regale vor lauter Osterhasen aus den Nähten platzen, suche ich in Italien und auf den Märkten den „ollen Karnickel“ vergeblich. Keine Hasen, keine Küken. Das hängt mit der katholischen Tradition des Landes zusammen, die viele heidnischen Bräuche verdrängte. In Deutschland haben die Bräuche den Frühjahrsbeginn mit Küken, Hasen, Narzissen, Weidekätzchen und Eiern zu feiern überlebt. Ostern ist zwar streng genommen ein christliches Fest, doch an alten Traditionen halten wir fest. Und dass der Hase mit Jesus Christus nichts am Hut hat, sondern mit dem steigenden Hormonhaushalt der Lebewesen in Frühling, ist offensichtlich.  Überlebt hat in Italien nur  das Schokoladenei. Die gibt es an jeder Ecke. Im Christentum ist nur das Ei mit dem Wiedergeburtsmythos verbunden, und wird deshalb an Ostern verschenkt.

Nach Italien und auch zu Ostern in Rom, kam der Brauch an Ostern Eier zu verschenken, man höre und staune, aus dem Deutschland des Mittelalters. Der Einfluss der deutscher Brauchtümer auf die Christengemeinde war damals groß. Das lag am Römischen Reich deutscher Nation, der Allianz der zentraleuropäischen Machtstrukturen mit der römischen Kirche.  Es ist kein Zufall, dass sechs von acht deutschen Päpsten in 11. Jahrhundert regierten. Durch die europaweiten familiären Beziehungen der herrschenden Elite, verbreitete sich der Eierbrauch damals in ganz Europa, und kam somit auch in Italien an. Adlige und Aristokraten beschenkten sich mit Eiern aus Gold und Silber, oder aus Schokolade, manchmal sogar mit einer Überraschung im Inneren. Ein Schokoladenfabrikant aus dem Piemont, Pietro Ferrero, blieb der Tradition treu. Jedes Jahr zu Ostern produzierte er Schokoladeneier mit Spielzeug im Inneren, dem „Ur-Opa“ vom Überraschungsei (seit 1974). 

Ostern in Rom – „Das Osterlamm und die Tierschutzbewegung“

Ganz nach christlicher Tradition, kommt in Italien, wie auch bei uns in Deutschland, zu Ostern Lamm auf den Tisch. Doch in Italien ist es ein Milchlamm, das „abbacchio“, welches in Rom schon seit der Antike als Spezialität gilt und im Ofen mit Kartoffeln uns Artischocken zubereitet wird. Ein Milchlamm ist besonders jung. Wie ein Spanferkel, hat auch das Milchlamm noch kein Grass zu sich genommen, sondern sich bisher nur von Muttermilch ernährt. Ein normales Lamm ist circa ein Jahr alt, ein Milchlamm nur etwa drei Monate. 

Schon lange versuchen Italiens Tierschutzbewegungen die Bevölkerung zu sensibilisieren. In den Wochen vor Ostern häufen sich die Beiträge in den sozialen Medien, die diese Tradition als „barbarisch“ beschreiben. Ihr Ziel ist es, Menschen zu überzeugen auf das Milchlamm an Ostern ganz zu verzichten, oder als Alternative Fleisch vom juvenilen Lamm zu servieren. Ich esse „abbacchio“ wirklich sehr gerne, doch nur meine Herkunft macht mich zum „Barbar“. Anstatt ein Milchlamm gibt es dieses Jahr eine Lammlasagne, dazu reichen 300 Gramm aus der Keule des älteren Tieres. 

 Brunch, Mittagessen oder Picknick?

Das Sonntagsbrunch ist das neue Sektfrühstück. Nirgendwo in Europa wird an Sonntagen so viel „gebruncht“ wie in Deutschland. Während man fast immer einen Tisch zum Abendessen findet, sind Restaurants, die ein Sonntagsbrunch anbieten, meistens früh ausgebucht. In meinem Elternhaus zog das Ostersonntagsbrunch schon in den 1980ger Jahren ein. Ein üppiges Ostersonntagsbrunch mit Familie und Freunden, Ostermontag dann Mittagessen bei Oma und Opa, so wurde bei uns Ostern gefeiert.

 

der Osterkuchen
Die Colomba ist unser Osterkuchen in Form einer Taube

Das Frühstück ist in Italien aber das Stiefkind der Mahlzeiten. Darunter haben schon viele Besucher aus Deutschland gelitten. Das Frühstücksangebot in italienischen Gastunterkünften lässt meist zu wünschen übrig. Zwar gibt es in Rom eine kleine „Brunch-Szene“, traditionell ist das aber nicht. Hier wird in der Familie gefeiert. Ostersonntag „Mittagessen“ bei Oma und Opa, das geht dann meistens bis zum Abendessen. An „Pasquetta“, dem „kleinen Ostern“, so heißt in Italien der Ostermontag macht man einen Ausflug ins Grüne. Ein ausgedehnter Morgenspaziergang mit der Familie, bei dem oft auch Freunde der Familie mitkommen, mit anschließendem Restaurantbesuch oder einem Picknick. Die Restaurants der unmittelbaren Umgebung Roms sind lange im Voraus ausgebucht. Ohne Reservierung geht meist gar nichts. Das sollte man unbedingt bedenken, wenn man einen Rombesuch zu Ostern plant.

In meiner Familie feiern wir „deutsch-römisch“. Aufgrund der Besuchsbeschränkungen gibt es einen Brunch nur für uns, mit Schokohasen und Eiersuchen im Garten, und Montag ein Picknick im Garten. Den Meerblick gibt es dieses Jahr nur auf der Videoleinwand.

Wie feiert ihr Ostern 2021? Schreibt es in die Kommentare – wir freuen uns auf eure Antworten.

 

Frohe Ostern aus Rom

Medizin und Heilkunst im alten Rom

Krankheit kommt zu Pferde und geht zu Fuße 

Seit es Menschen gibt, gibt es Krankheiten. Seit wir zusammen leben, stecken wir uns gegenseitig  an und seither gibt es Epidemien und Pandemien.
Davon macht die ewige Stadt keine Ausnahme. In unserem You Tube Video und diesem Blogbeitrag beschäftigen wir uns deshalb  näher mit der Medizin und Heilkunst im alten Rom.

Zwar hatte die Stadt bereits in der Antike ein ausgeklügeltes Abwassersystem und die Therme und öffentlichen Latrinen, ein für die damalige Zeit recht fortschrittliches Hygienekonzept:
nicht umsonst war Rom im 1. und 2. Jh. n. Chr. die wohl einzige Millionenstadt der Welt.

Doch – Abwassersystem hin und Hygiene her – sind Epidemien zu jeglicher Zeit niemals vollständig an Rom vorbeigegangen. Spuren von Krankheit (und deren Behandlung) lassen sich heute von Wissenschaftlern sogar recht gut an Skeletten nachweisen. Während diese wissenschaftlichen Ergebnisse den meißten von uns allerdings nicht ohne Weiteres zugänglich sind, liegen die Orte, die mit Krankheiten und deren Heilung zu tun haben, oft (fast) direkt vor unseren Augen. So auch in der ewigen Stadt.

Cloake Maxima
Der Ausgang des Abwasserkanals der Römer, die Cloaca Maxima

Einer der ältesten Orte diesbezüglich ist die Tiberinsel, welche zwischen  dem jüdischen Viertel und dem Stadtteil Trastevere zu finden ist.

Schon zu Römerzeiten befand sich hier der Tempel des griechischen Heilgottes Äskulap. Dessen Schlange wurde, einer Legende nach, aus dem griechischen Epidauros nach Rom gebracht, um die Pest im Jahr 293 v. Chr. zu bekämpfen. Bei ihrer Einfahrt nach Rom soll sie aus dem Boot in den Tiber entflohen sein und die Insel als Ort für den Tempelbau angezeigt haben. Doch die Insel hatte auch ihren ganz praktischen Nutzen:
denn während wir heute in Quarantäne oder im Lockdown auf den Sofa-Serien „watchen“, wurden antike Römer mit ansteckenden Krankheiten einfach auf die Insel verbannt.  Im 16. Jh. wurde auf der Insel schließlich das Krankenhaus Fatebenefratelli gegründet, welches auch heute noch an dort zu finden ist.

 

Heilgott der Griechen
der griechische Heilgott Äskulap

Medizin und Heilkunst im alten Rom :

in puncto Medizin gibt es noch einen weiteren und wohl bedeutenderen Ort, der momentan weniger vor, als unter unserer Nase liegt. Und zwar direkt im Forum Romanum. Hier erheben sich die majestätischen Ruinen der Maxentiusbasilika aus dem 4. Jh. n. Chr. Gebaut wurde die Basilika auf dem Grund der ehemaligen Horrea Piperiana, antiken Gewürz- und (Heil-)Kräuterkontoren. Irgendwo um diesen Ort herum hat möglicherweise sogar der berühmte, griechische Artzt und Anatom Galenos im späten 2. und frühen 3. Jh. n. Chr. seine „Praxis“ gehabt. In späterer Zeit wurden direkt daneben die Kirchen Ss Cosma e Damiano und S Lorenzo in Miranda. Letztere ist seit 1492 die Kirche der Innung der römischen Pharmazeutiker, erstere den beiden heiliggesprochenen Ärzten, die im Jahr 303 unter Kaiser Diokletian als Christen hingerichtet wurden. Derzeit arbeitet die Denkmalschutzbehörede auf Hochtouren daran, die Horrea bald auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Doch auch die „Deutschen“ haben in Sachen Krankheit und Heilung ihre Spuren in Rom hinterlassen:

und zwar in Form des ältesten Krankenhauses der ganzen Stadt.
Das Krankenhaus Santo Spirito in Sassia ist noch heute in Betrieb und liegt direkt neben dem Vatikan am Tiberufer. Vorgänger war die vom Sachsenkönig Ina schon 727 n. Chr. gegründete Scola Saxorum und diente als Anlaufstelle für kranke, sächsische Pilger in Rom.
(Achtung: mit Sachsen ist dabei nicht das heutige Bundesland, sondern „Altsachsen“, also einfach gesagt, das ganze nördliche Deutschland, gemeint).
Nach ihrem Verfall gründete Papst Innozenz III. ca. 1204 das Krankenhaus und ließ es, von einem in Frankreich gegründeten Heiligenorden betreuen. Konzipiert war es als Hospital für die einfachen Leute, die Armen und für verlassene Kinder.
In der Tat befindet sich hier eine der wohl ältesten, uns bekannten Babyklappen. Es war so erfolgreich, das es bereits im 13. Jhd. Filialen über ganz Europa verstreut gab.

erste Babyklappe beim Santo Sprito
erste Babyklappe beim Santo Sprito

Medizin und Heilkunst im alten Rom

Auch besaß das Santo Spirito mit dem Liber Regulae das erste, uns bekannte, interne Reglement für ein Krankenhaus. Und was hat das ganze nun mit den „Deutschen“ zu tun?

Nun, außer dem Namen – eigentlich nichts.
Dennoch ist das Santo Spirito ein schönes Beispiel für eine von Rom ausgehende, europäische „Gesundheitspolitik“ die ihre Jahrhunderte auf dem Buckel hat.

In diesem Sinne: Bleibt gesund! Und wir hoffen euch bald alles wieder live auf einer Tour der Deutschen Römerin zeigen zu können…      

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

Heute folge ich den Tipps der deutschen Römerin und erkunde Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel, eines der beliebtesten “jenseits des Tibers” in Rom (lat. Trans Tiberim). Es ist eine Mischung, die sich schwer in Worte fassen lässt: 

Ein bisschen Punk, ein bisschen Postkarte. Das Viertel ist eines dieser Highlights, die man in Rom “auf keinen Fall verpassen sollte”. Das Schwierige an Trastevere jedoch ist, dass man es kaum beschreiben kann, ohne auf Reiseführer-Phrasen zurückzugreifen. 

Bröckelnden, mit Pflanzen bewachsenen Fassaden der schiefen Häuser, quer über die Straßen gespannten Wäscheleinen und die vielen Cafés und Weinbars lassen leicht klischeehafte Italienidylle aufkommen. 

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

…. ein wenig Geschichte 

Durch die Nähe zum damaligen Flusshafen siedelten sich hier bereits in der Antike viele Arbeiter und Händler an. Unter Kaiser Augustus wurde die Gegend in das römische Stadtgebiet eingegliedert. Durch die vielen Händler war Trans Tiberim von einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen und Religionen geprägt. So nimmt es nicht Wunder, dass sich für lange Zeit auch ein Großteil der jüdischen Bevölkerung hier niedergelassen hatte.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde Trastevere, unter anderem durch die Ansiedlung der Tabakmanufaktur, zu einem klassischen Arbeiterviertel. Bereits ab den 60er Jahren begann sich jedoch die alteingesessene Bevölkerungsstruktur zu verändern. 

Im kollektiven und popkulturellen Gedächtnis bleibt Trastevere jedoch verbunden mit der typischen Romanità, dem Rom der einfachen Leute, die sich Teils mit mehr oder weniger legalen Aktivitäten und einer gewissen „Schlitzohrigkeit „ über Wasser halten. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich Trastevere zu einem bei Touristen und Studenten beliebten, sehr lebhaften Ausgehviertel mit vielen Bars und Restaurants gewandelt. Aber auch wenn Trastevere mittlerweile nicht mehr als Geheimtipp gilt, so hat es doch seinen pittoresken Charme nicht verloren und ihr solltet euch selbst bei eurem Rom Aufenthalt davon überzeugen.

Ganz nebenbei sind die Gassen Trasteveres auch der Geburtsort von Berühmtheiten wie Ennio Morricone (dem Meister der Filmmusik), und dem legendären, römischen Volksschauspieler Alberto Sordi. 

 

Folgt mir heute also auf den Spuren der Tipps aus dem Video der Deutschen Römerin.

Sehenswürdigkeiten: Insidertipps der Deutsche Römerin 

  • Villa Farnesina
  • Kirche Santa Maria in Trastevere
  • Tempietto del Bramante
  • San Pietro in Montorio
  • Gianicolo

Zusätzlich gibt es noch ein paar persönliche Highlights und Empfehlungen in Trastevere in Bezug auf Essen,
Trinken, Nachtleben & Co.

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

Die Villa Farnesina – Geballte Ladung Schönheit mitten in Trastevere

Dass sich meine Leidenschaft für einstige Prachtvillen, die schließlich zu Museen umfunktioniert wurden, in Grenzen hält, habe ich ja auf der Tour zu den Geheimtipps in Rom schon angedeutet. Trotzdem bin ich neugierig auf die Villa Farnesina, an der ich schon so oft vorbeigelaufen bin, die ich aber noch nie besichtigt habe. Annett sagt, es lohnt sich und bezeichnet sie in einem Telefonat sogar als “heimlichen Favoriten, wenn man geballte Schönheit ohne viel Trubel sehen will!” Da bin ich natürlich gleich hellhörig. Meine Neugierde ist geweckt und so laufe ich also am Tiberufer (Lungotevere Farnesina) unter den herrlichen Platanen am Flussufer entlang und kann so die Villa Farnesina gar nicht verfehlen.

Sobald man hineingeht, sieht man Schönheit überall:

In Form von farbenfrohen Malereien (u.a. Fresken von Raffael), dem edlen Marmor, imposanten Säulen und dem Blick in den Garten. Der Besuch der Villa Farnesina ist wirklich ein Bad in purer Bellezza: Harmonie gepaart mit Eleganz und ein bisschen mehr von einfach allem. Erbaut wurde die Villa von dem mächtigen Bankier Agostino Chigi, der sich als großer Kunstliebhaber und -förderer gerne mit Künstlern und Literaten umgab. Das Resultat ist wirklich beeindruckend. Vielleicht kann man sie sogar als das weltliche Pendant zur sixtinischen Kapelle bezeichnen. Nur eben längst nicht so überlaufen. 

Mein Testurteil zur Villa Farnesina in Trastevere

  • Ideal für: Schöngeister, Architektur- und Kunstliebhaber, die ganz ohne Trubel fantastische Fresken bewundern wollen.
  • Top: Echter Geheimtipp: Kein starker Ansturm und trotzdem viel zu sehen
  • Flop: Nackenstarre vom vielen Hochgucken
  • Lässt sich gut verbinden mit: Einem Spaziergang entlang des Tiberufers
  • Mein Tipp für euch: Wenn ihr eure Eintrittskarte für die Vatikanischen Museen vorzeigt, bekommt ihr 1€ Rabatt auf die Eintrittskarte für die Villa Farnesina.

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

Die Kirche Santa Maria in Trastevere und einer der schönsten Plätze in Rom

Ladies aufgepasst, diese Kirche ist eine der ältesten Marienkirche Roms (vielleicht sogar die Erste). Die ältesten Gebäudespuren stammen aus dem Jahr 217 n. Chr.. Ein paar Jahrhunderte später wurde die Kirche dann vergrößert, modifiziert und schließlich im späten Mittelalter vollständig umgebaut: dabei wurden auch antike römische Säulen wiederverwendet.

Diese Kirche ist ein einzigartiger Ruhepol inmitten des lebhaften Trastevere. Besonders andächtig ist die Atmosphäre, wenn dort gegen 18/19 Uhr das gesungene Abendgebet der Communità di Sant’Egidio stattfindet. 

Allgemein werden die Kirchen von Rom ja gerne als gratis Museum bezeichnet. Sie sind Stätten der Andacht für die einen, Kunst für umsonst für die anderen. ABER: Es gibt keine Audioguides und keine Informationstafeln wie im Museen. Damit man Roms viele Gotteshäuser, ihre Architektur, Geschichte, Symbolik, Funktion, Bedeutung, und ihrer verborgenen Geheimnisse versteht, sollte man sich im Vorfeld ein paar Infos anlesen oder sich direkt Expertenhilfe holen. 

Um ehrlich zu sein, habe ich persönlich bedeutend mehr Zeit VOR als IN dieser Kirche verbracht. Nämlich am Brunnen sitzend. (Wenn ihr den Beitrag über Monti gelesen habt, könnt ihr es euch bestimmt denken wieso.)

Wie so oft saß ich mit meinem guten Freund und Theologiestudenten am Brunnen vor der Santa Maria in Trastevere um den Abend  mit einem 0,66l Peroni Bier aus der benachbarten Bar San Calisto ausklingen zu lassen.

Er erzählte mir irgendwas über eine antike Ölquelle, über den Marienkult und erklärte mir die Bedeutung des güldene Mosaik auf der Vorderseite der Kirche .

Ich philosophierte anschließend über die bröckelnde Fassade des gegenüberliegenden Palazzo Leoni. Leider wurde diese mittlerweile restauriert. Die einst 500 „Shades“ von Kupfer, Pfirsich, mit Nuancen des Grand Canyon, über Bernstein mit einer leichten Rost-Note sind leider einem kühlen silberblau gewichen. Erst war ich schockiert und ein bisschen traurig, aber irgendwann, wird auch diese Fassade bröckeln.

 

Mein Testurteil zur Kirche Santa Maria in Trastevere

  • Ideal für: Pilger, Kunst- Geschichts- und Architekturliebhaber, alle die eine kleine Ruhepause brauchen
  • Top: Mosaik, die Decke, einfach alles! Dann liegt sie noch an einem der schönsten Plätzen in Trastevere und ganz Rom
  • Flop: Mir fällt nichts ein! Hab daher aus Spass mal nach negativen Google-Bewertungen geschaut. Mein Favorit ist: “Schlechter Service, kein Interesse am Touristen.” Wenn man bedenkt, dass es sich um eine der ältesten Kirchen Roms handelt, ist das fast ein bisschen witzig.
  • Lässt sich gut verbinden mit: Besuch in der Bar San Calisto
  • Mein Tipp für euch: Schaut mal hinter die rechte Chorschranke. 

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

Tempietto del Bramante: Ein besonderes Kleinod in Trastevere

Tempietto ist das italienische Wort für  kleiner Tempel. Und da denkt man doch gleich die Antike, oder? Tja, hier hat Rom mal wieder eine Überraschung parat. Dieses Kleinod versteckt sich nämlich in einem Innenhof, genau zwischen der Spanischen Akademie und der Kirche San Pietro in Montorio. Auch stammt er nicht etwa aus der römischen Kaiserzeit, sondern aus der Renaissance. Sehenswert ist der Tempietto del Bramante aber allemal: wenn man ihn findet. 

Doch eins nach dem anderen:

Von der Piazza Santa Maria in Trastevere aus geht’s rechts von der Kirche in die Gasse mit dem Namen “Via della Paglia” und dann immer geradeaus bis zum “Vicolo della Frusta.” 

Von da aus geht ihr links die Via Garibaldi bergaufwärts. Nach der ersten Kurve seht ihr rechterhand Stufen, diese solltet ihr nach oben gehen, um genau vor der Spanischen Akademie herauszukommen. Wenn ihr den Tempel nicht nur durch die Gitterstäbe betrachten möchtet, müsst ihr rechts den Eingang zur Akademie nehmen. Der Eintritt ist kostenfrei. Durch einen kleinen wunderschönen Klosterinnenhof kommt ihr direkt und ganz nah zu diesem Renaissance Meisterwerk.

Angeblich steht der Tempietto di Bramante exakt an der Stelle, an der der Überlieferung nach der Apostel Petrus (Pietro) kopfüber gekreuzigt wurde. Allerdings gehen diesbezüglich die Meinungen auseinander.  

Mein Testurteil zum Tempietto del Bramante 

  • Ideal für: Alle, die auf Kleinigkeiten genauso viel Wert legen, wie auf die ganz großen Highlights
  • Top: Im wahrsten Sinne des Wortes ein absolutes Kleinod in Rom. Noch dazu gratis!
  • Flop: Nur des Tempels, bzw Tempelchens wegen lohnt sich der Aufstieg vielleicht nicht unbedingt für jedermann. Aber wenn man schon auf den Gianicolo steigt, kommt man ohnehin hier vorbei.
  • Lässt sich gut verbinden mit: Der benachbarten Kirche San Pietro in Montorio 
  • Mein Tipp für euch:  Besucht den Archetyp des Tempietto di Bramante: Den Herkules Tempel auf dem Forum Boarium (Nähe des Zirkus Maximus) – auf der anderen Seite des Tibers. Die Geschichte dahinter erfahrt ihr auf der Tour durch das versteckte Rom.

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

San Pietro in Montorio – eine Bergkirche mitten in Rom

Woher das “Pietro” im Namen der Kirche stammt, sollte klar sein. Aber „Montorio“? Dieser Teil des Namens leitet sich von „Mons aureus“ oder „Monte d’oro“ (Berg aus Gold) ab. Das liegt am gelben Mergelstein, aus dem der Gianolcolo besteht, auf dem die Kirche erbaut ist. 

Don’t judge a book by it’s cover: das gilt auch für die Kirchen in Rom. San Pietro in Montorio ist hierfür ein perfektes Beispiel. Die Außenfassade ist extrem schlicht und geradlinig, dafür gibt’s im Inneren etliche Kunstschätze zu bestaunen. Natürlich hatte auch hier wieder Michelangelo (u.a.) seine Finger im Spiel, wenn auch nur indirekt. Was ich persönlich aber am spannendsten finde, dass sie mich an mein Zuhause in den Abruzzen erinnert. 

Die Kirche wurde im Mittelalter für die Mönche des Cölestiner Ordens erbaut. Papst Coelestin V. war, bis zur Abdankung von Papst Benedikt XVI., der einzige Papst, der sein Amt freiwillig niedergelegt hat (weshalb er auch in Dantes göttlicher Komödie erwähnt wird). Noch dazu stammte er aus meiner italienischen Wahlheimat den Abruzzen. Hier war er als Einsiedler “Pietro del Morrone” bekannt.

Morrone heißt der Berg, an dessen Hang auch noch eine von mehreren Einsiedeleien, die auf Celestino V. zurückgehen und den ich von meinem Balkon aus täglich sehen kann. 

Mein Testurteil zu San Pietro in Montorio

    • Ideal für: Einen Zwischenstopp, beim Aufstieg auf den Gianicolo oder als Location für die römische Traumhochzeit. 
    • Top: Allein die Lage – im wahrsten Sinne des Wortes!
    • Flop: Bisschen dunkel
    • Lässt sich gut verbinden mit: Dreimal dürft ihr raten: Dem Tempietto Bramante und dem “Gipfel” des Gianicolo Hügel 
    • Mein Tipp für euch: Die Verbindung dieser Kirche auf Trasteveres Giannicolo Hügel zu meiner Wahlheimat ist rein zufällig beim Mittagessen mit Annett zur Sprache gekommen. Das zeigt mal wieder, wie wichtig und sinnvoll es sein kann, sich mit Experten auszutauschen. Natürlich hatte die Deutsche Roemerin noch weitere Infos und Anekdoten parat, aber die verrät sie euch am besten selbst. 😉

Trastevere – Roms lebendiges Stadtviertel

Gianicolo – Kanonenschuss und Panoramablick über Trastevere und ganz Rom

Ein paar hundert Meter weiter bergauf liegt auch schon der nächste und letzten Stopp auf der Trastevere Tour. Doch es gibt ein Problem: Ich bin viel zu spät dran und werde es nicht mehr rechtzeitig zum eigentlichen Highlight schaffen: Den Kanonenschuss auf dem Gianicolo. 

Die Terrasse hier oben ist wirklich ein herrlicher Aussichtspunkt von dem ihr Trastevere und ganz Rom überblicken könnt! Man kann sogar die Berge sehen: das hügelige Umland der Castelli Romani. Täglich um Punkt 12:00 Uhr wird hier oben eine Kanone abgeschossen. Da ich aber auf dem Weg ein bisschen getrödelt und teilweise auch völlig die Zeit aus dem Blick verloren habe, werde ich es wohl nicht mehr rechtzeitig schaffen. Dieses tägliche Ritual, die Zeit mit einem Kanonenschuss zu markieren, wurde vor mehr als 150 Jahren von Papst Pius IX. eingeführt. Ziel war es, ein einziges Signal für die offizielle Zeit zu haben, um so unkoordiniertes Läuten der Kirchenglocken zu vermeiden.

Tja, so viel zum Thema Koordination. Für mich ist es jedenfalls zu spät. Es sind war nur ein paar hundert Meter, aber in 3 Minuten werde ich das nicht schaffen. Trotz der Autos ist der Weg einfach zu schön, um ihn zu rennen. Anstatt zu hetzen lege ich einen kurzen Zwischenstopp an dem Monumentalbrunnen Fontana Paola ein. Erst vor kurzem habe ich einen alten Film (glaube aus den 70ern) gesehen, in dem man im Hintergrund Kinder in diesem Brunnen baden sieht.

Während ich die Aussicht geniesse und vergeblich versuche, mich an den Titel zu erinnern, ertönt etwas weiter oben der berühmte Kanonenschuss.

Klar, sollte man den Kanonenschuss in Rom einmal miterlebt haben, auch wenn man, wie ich, ein angespanntes Verhältnis zu lauten Geräuschen (und Schusswaffen) hat. Aber wenn ihr mich fragt, komm ich lieber wegen der schönen Aussicht her. Zum Sonnenuntergang ist das natürlich besonders reizvoll. Das finden auch zahlreiche Pärchen – aus Rom und der ganzen Welt. 

Mein Testurteil zum Gianicolo – Hügel

  • Ideal für: Ganz ROMantische Dates mit Aussicht 
  • Top: Der Weitblick auf die Dächer der Ewigen Stadt! Wir haben zu Erasmuszeiten hier oft mit einer Flasche Wein (vorher im Supermarkt gekauft) gesessen und den Tag ausklingen lassen. 
  • Flop: Bisschen vermüllt. Viele lassen die Hinterlassenschaften ihres Open-Air-Aperitivo leider einfach liegen.
  • Lässt sich gut verbinden mit: Mit dem Besuch vom Vatikan und dem Petersdom oder einem Picknick auf der Aussichtsterrasse. 
  • Mein Tipp für euch: Falls ihr nicht so gut zu Fuß seid, oder nicht laufen wollt. Könnt ihr auch die Buslinie 115 nehmen.

 

Persönliche Highlights und Empfehlungen in Trastevere zu Essen, Trinken, Nachtleben & Co

Hier noch ein paar persönliche Tipps zu meinem Lieblingsthema: Wo kann man in Trastevere gut essen und trinken? 

  • Bei meinem allerersten Treffen mit Annett saßen wir im Restaurant “Roma Sparita”. Genau dort ist bei einer der besten Spaghetti Cacio e Pepe meines Lebens, die Idee zu diesem Blog entstanden. Also nichts wie hin dort: Ein geschichtsträchtiger Ort mit geschichtsträchtiger (typisch römischer) Pasta!
  • Ihr seid eher so der Steetfood-Typ? Kein Problem. Streetfood gibt’s in Trastevere ja fast an jeder Ecke. Für den kleinen Hunger Zwischendurch gehe ich immer gerne zu Trapizzino, direkt hinter der Piazza Trilussa. Ein weiterer Laden, in den ich gerne gehe ist die Panetteria Romana e Spaccio di Paste. Eine Bäckerei in der es frisch belegte Panini, Kekse, Gebäck aber auch Pizza (auf die Hand) gibt.

  • In der Pizzeria Bir e Fud, gibts gute neapolitanische Pizza und eine stattliche Craft-Bierauswahl. 
  • Wenn es um Bier geht, ist “Ma che siete venuti a fà”. Ein römisches Original! Gute Biere, sehr kleine Kneipe, viele Römer.
  • Noch ein weiteres römisches Original ist die Bar San Calisto! Eine absolute Instanz in Trastevere. Allein der “Bar” Schriftzug ist ein Klassiker!

  • Die Piazza Trilussa – hat ein Freund von mir (ein Römer) als “den coolsten Platz in Rom” bezeichnet. Unbestritten ist: Es ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt im Nachtleben von Trastevere.
  • Schaut auf einen “Schokoshot” im Rivendita Libri Cioccolata e Vino vorbei. Tagsüber eine Wein- und Buchhandlung, abends Stehbar. Wetten, dass ihr es nicht schafft, die explosiven Shots im Schokobecher mit Sahne zu verzehren, ohne zu lachen?
  • Last but not least: Bucht eine Tour der Deutschen Römerin, für weitere Tipps, Fakten, Anekdoten und Hintergrundinformationen zu Trastevere. 🙂

 

So, das war’s für heute mit unserem Stadtbummel durch das beliebte Viertel jenseits des Tibers, das so oft als “Das Dorf in der Stadt” bezeichnet wird. Vor ein paar Jahren hätte ich dem bestimmt noch zugestimmt. Doch seit ich selber in einem echten italienischen Dorf wohne, tu ich mich mit dieser Bezeichnung eher schwer. Denn Trastevere ist so unverschämt urban, facettenreich und lebendig! Vielleicht wirkt es hier und da mit der Flatterwäsche und den engen Gassen manchmal wie ein kleines Dorf. Aber kein Dorf wird jemals sein wie Trastevere! Ein Stadtteil, der den Wandel gelassen und mit Humor zu tragen scheint und trotzdem ein bisschen trotzig und sich treu bleibt: Ein bisschen Punk, ein bisschen Postkarte. Eine Mischung, die man nur schwer beschreiben kann, sondern erleben muss. 

 

Hat euch der Artikel Lust auf das Stadtviertel gemacht oder seid ihr selbst schon einmal da gewesen?

Wenn ja, was hat euch besonders gut gefallen? Habt ihr persönliche Tipps?

Hinterlasst mir doch einen Kommentar.

Eure Jule