Mit dem Fahrrad durch Rom

Frühling. In Deutschland werden die Fahrräder abgestaubt und fitgemacht. Die Deutschen sind ein Fahrradvolk. Es ist das beliebteste alternative Fortbewegungsmittel. Es ist ein Sportgerät, Hauptdarsteller der Sonntagsausflüge, und zentraler Bestandteil des „Aktivurlaubs“. Und das schon seit vielen Jahrzehnten. Die öffentliche Hand unterstützt diese Leidenschaft. Es gibt Radwege, Fahrradstraßen, Fahrradständer an jedem öffentlichen Gebäude. Die Infrastruktur ist gegeben. In Italien ist es nicht so.

Der Römer und das Fahrrad – eine junge Liebe

Bis neulich, war das Fahrrad in Italien ein Sportgerät, nichts anderes. Der Radsport ist hier der beliebteste Sport, nach dem Fußball. Bei den Rennradherstellern spielt Italien ganz vorne mit. Hersteller wie Bianchi sind weltbekannt, und manche Modelle kosten gut und gerne bis zu 10.000 Euro. Das Giro d’Italia gehört zu den Top Sport Events der Welt, brachte Idole wie Fausto Coppi oder tragische Helden wie Marco Pantani hervor. Über den letzteren wurde 2020 auch ein Film gedreht. Fast jeder zweite Teilnehmer kommt aus Italien. Als alternatives Fortbewegungsmittel setzte sich das Rad jedoch nie durch. Wer nicht Auto fährt, fährt Motorroller.

Der Trend: „Hin zum Fahrrad“

Mit dem steigenden Umweltbewusstsein der Italiener, und der politischen Linie Europas zur CO2 Reduktion, ändert sich nun die Lage. Der Trend ist „Hin zum Fahrrad“. Überregionale Projekte wie der adriatische Radweg (Ciclovia Adriatica) werden realisiert. Und auch die römische Kommunalverwaltung hat sich ins Zeug gelegt. In und um Rom sind in den letzten Jahren insgesamt über 700km Radwege entstanden.  Einer davon ist der Fahrradweg am Tiberufer. Mit dem „COVID-Bonus“ für Fahrräder, einer Initiative, um die Überfüllung öffentlicher Verkehrsmittel in der Pandemie zu vermeiden, wurden Rekordabsätze erzielt. Dem Verbraucher wurden 60% des Kaufpreises eines neuen Rads vom Staat zurückerstattet. Der Römer steigt um. Jetzt fährt er auch mit dem Fahrrad durch Rom.

Zwei Frauen fahren mit dem Fahrrad am Tiberufer
Paola und Annett fahren mit dem Fahrrad durch Rom.

Mit dem Fahrrad durch Rom – Die Fahrradtour am Tiber

Für uns Stadtführer ist das eine Gelegenheit. Nichts ist schöner, als mit euch, liebe Gäste, die Stadt mit dem Fahrrad zu erobern. Wir von der Deutschen Römerin haben uns den Fahrradweg am Tiber mal genauer angeschaut und ihn in unserem letzten Youtube Video vorgestellt.

Der Uferweg am Tiber ist tief gelegen. Er liegt unterhalb der 16 Meter hohen Flutmauern, die zwischen 1876 und 1926 gebaut wurden. Der Bau der Flutmauern war notwendig. Da die römische Innenstadt durch den enorm schwankenden Wasserstand des Tibers oft unter Wasser stand, verhinderte man mit dem Bau der Mauern das ständige Ausufern. Heute verhindert sie auch die Verkehrs-, Abgas- und Lärmbelästigung der Nutzer der Fahrradstrecke.

Mit dem Fahrrad durch Rom – Neun Kilometer Natur, Geschichte und Alltag

Auf neun Kilometern Strecke fahren wir also mit dem Fahrrad durch Rom, direkt am Fluss entlang. Aus einer einzigartigen Perspektive können wir die Brücken von Rom betrachten. Brücken aus allen Epochen der Stadt wechseln sich ab. Wir sehen Beispiele aus der römischen Antike, der Renaissance, dem Barock, des Neuklassizismus, der Vorkriegszeit und der zeitgenössischen Architektur. Die meisten davon sind prächtig. Sie sind die unterschätzten und oft übersehenen Nebendarsteller unter den römischen Monumenten.

Wir fahren weiter an Fluss und an vielen Monumenten vorbei. Und während einige Anblicke uns den Atem rauben wird es langsam grüner. Je weiter man nach Norden gelangt, desto mehr weichen die Monumente der Innenstadt den Orten des Alltags der Römer. Wir sehen die Hausboote und Anlegestellen der Ruderclubs, die Skateboard Parks, auf denen sich die römische Jugend tummelt, Sportvereine mit Tennisspielern und vieles mehr. Bei der Radtour entdecken wir das Leben der Stadt fernab vom Massentourismus.

Die Engelsbrücke und die Ponte della Musica mal aus anderer Perspektive

Mit dem Fahrrad durch Rom – Die Tiberinsel

Auf halber Strecke befindet sich auch die Tiberinsel. Auf der Insel steht heute das Krankenhaus der barmherzigen Brüder, eine Kirche uns ein mittelalterliches Gebäude. Die ältesten Brücken der Stadt verbinden sie mit beiden Ufern. Am Inselufer, einer kleine Oase der Ruhe und Natur inmitten des Trubels der Stadt entspannen sich die Römer gerne. Man sitzt im Schatten der Brücken oder hört dem Rauschen der Stromschnellen zu. Menschen treffen sich, und Angler werfen ihre Köder aus. Obwohl auch Touristen die Insel gerne besuchen, sehen wir überwiegend Einheimische, die dieses kleine Naherholungsgebiet genießen. In den Sommermonaten ist die Tiberinsel und das gegenüberliegende Ufer ein Veranstaltungsort. Das Fest „Lungo al Tevere“ (Juni bis September) verwandelt den Ort zum Schauplatz eines Stadtviertelfestes und zur Bühne für Freilichtkino, Konzerte und Lesungen.

Quattri Capi auf der Ponte Fabricius, Reste der römischen Verzierung der Tiberinsel
Altertümliches auf der Tiberinsel

Fazit

Ohne Zweifel ist die Pandemie ein schwerer Schlag für die Tourismusbranche in Rom. Doch ihre Folgen haben auch den Wandel beschleunigt, das Fahrrad als Freizeitgerät zu entdecken. Der italienische Staat förderte die Anschaffung und verbesserte die Infrastruktur. Uns Stadtführern hat sie vorübergehend die Arbeit geraubt. Aber gleichzeitig hat sie uns die Zeit und die Möglichkeit geschenkt, Rom ganz neu zu erleben und zu erkunden.  Ein Weg raus aus der Betriebsblindheit des Berufsalltags, und hin zu neuen Programmen und Perspektiven. Bald, liebe Gäste, dürfen wir diese Erlebnisse wieder mit euch teilen.

Ich hoffe wir können bald gemeinsam aufsatteln und zusammen mit dem Fahrrad durch Rom radeln.

Seid ihr auch Aktivurlauber, die gerne mit dem Fahrrad fahren? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

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